Empathie bei Kindern und Erzieherinnen: Warum Mitfühlen, Verstehen und Verbinden zusammengehören
- Martha Kwiaton
- 7. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Was bedeutet Empathie eigentlich?
Empathie beschreibt die Fähigkeit, die Gefühle, Gedanken und Perspektiven anderer Menschen wahrzunehmen und nachzuempfinden – ohne sie zu bewerten. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil sozialer Kompetenz und Grundlage für respektvolles Miteinander.
Für Kinder bedeutet Empathie, sich in andere hineinversetzen zu können und zu spüren: „Ich bin nicht allein mit meinen Gefühlen – und auch andere empfinden etwas.“ Wenn Erwachsene empathisch handeln, entsteht eine Atmosphäre, in der Vertrauen, Sicherheit und echtes Verständnis wachsen können.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Wenn ein Kind traurig ist, weil ein Bauwerk umgefallen ist, geht es nicht nur darum, das Bauwerk wieder aufzubauen – sondern darum, den Frust und die Enttäuschung des Kindes wahrzunehmen. Statt sofort zu trösten oder Lösungen anzubieten, hilft es, erst einmal zuzuhören und die Gefühle zu benennen:„Ich sehe, du bist traurig, weil dein Turm umgefallen ist.“
Durch dieses bewusste Mitfühlen erlebt das Kind: Meine Gefühle werden verstanden. Es lernt, eigene Emotionen zu erkennen und auch die anderer Kinder wahrzunehmen.
Im Teamalltag bedeutet Empathie ebenso, auf Kolleginnen zu achten – kleine Gesten, Verständnis für stressige Situationen und ein respektvoller Umgang schaffen Vertrauen und stärken die Zusammenarbeit.
Empathie ist für mich die Basis jeder Beziehung – sie verbindet, statt zu trennen, und ermöglicht es, sowohl Kinder als auch Erwachsene in ihrer Ganzheit zu sehen.
Warum Empathie für Kinder so wichtig ist
Empathie fördert soziale Kompetenz, Konfliktfähigkeit und emotionale Reife. Kinder, die empathisch handeln, lernen, Verantwortung zu übernehmen, Mitgefühl zu zeigen und Rücksicht zu nehmen.
Wenn Erwachsene empathisch reagieren, vermitteln sie: „Deine Gefühle sind wichtig – und du bist in Ordnung, so wie du bist.“ Diese Haltung schafft Geborgenheit und fördert eine sichere Bindung, die wiederum Grundlage für Lernen und Entwicklung ist.
Mitfühlen will gelernt sein
Empathie entsteht nicht von selbst – sie wächst durch Vorbilder, durch Gespräche, gemeinsames Erleben und emotionale Resonanz. Kinder lernen Empathie, indem sie erleben, dass ihre Gefühle ernst genommen werden und dass auch die Emotionen anderer Beachtung finden.

Empathie beginnt bei den Erwachsenen
Im Kita-Alltag zeigt sich Empathie in vielen kleinen Momenten: im respektvollen Umgang miteinander, im Zuhören, im bewussten Wahrnehmen von Stimmungen. Sie ist Teil professioneller Haltung und Voraussetzung für eine vertrauensvolle Team- und Elternarbeit.
Das heißt konkret:
Zuhören: Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen, ohne sofort zu bewerten.
Verstehen: Sich in die Perspektive des Gegenübers hineinversetzen.
Respekt zeigen: Unterschiedliche Emotionen akzeptieren und wertschätzen.
Unterstützen: Kinder und Kolleginnen in herausfordernden Situationen begleiten, statt zu belehren.
Warum Erzieherinnen Empathie bewusst leben sollten
Empathie ist ein Zeichen innerer Stärke – sie öffnet den Blick für andere und fördert gegenseitiges Vertrauen. Wer empathisch handelt, schafft Beziehungen, die auf Verständnis und Respekt basieren.
Vorbildfunktion: Kinder lernen durch Beobachtung, wie Mitgefühl gelebt wird.
Teamkultur: Ein empathisches Kollegium stärkt Zusammenhalt und fördert eine offene Kommunikation.
Beziehungsqualität: Empathische Interaktionen vertiefen das Vertrauen zwischen Kindern, Eltern und Fachkräften.
Empathie als gemeinsamer Prozess
Empathie ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der sich ständig weiterentwickelt. Kinder und Erwachsene lernen gemeinsam, Gefühle zu verstehen, Grenzen zu erkennen und Verbindungen zu schaffen.
In einer empathischen Gemeinschaft entsteht Raum für Akzeptanz, gegenseitige Unterstützung und echtes Miteinander.
Empathie bedeutet, im Kontakt zu bleiben – mit sich selbst und mit anderen. Sie stärkt Beziehungen, fördert emotionale Intelligenz und ermöglicht echtes Wachstum – im Leben und im pädagogischen Alltag.
Quellen:
Singer, T. & Lamm, C. (2009). The social neuroscience of empathy. Annals of the New York Academy of Sciences, 1156(1), 81–96.
Gerhardt, S. (2015). Warum Liebe und Empathie unersetzlich sind. Kösel-Verlag.
Hüther, G. (2016). Mitfühlende Gemeinschaften – Warum Empathie die Zukunft sichert.
Eigene pädagogische Praxis und Teamreflexion





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